Von der Blüte zum Wirkstoff – alles zur Kamille

Nina Weber Online Redaktion

Auf einem idyllischen Hof in Bayern steht inmitten eines gelben Blütenmeers der Lindenhof der Familie Kistler. Von hier beziehen wir bei nkm das kostbare und tiefblaue Kamillenöl für unsere Hautpflegeprodukte. Im Interview verrät uns Simon Kistler, alles zum Anbau der Kamille, der Herstellung des Kamillenöls sowie den entzündungshemmenden Eigenschaften.

Wo wächst Kamille und welche unterschiedlichen Arten gibt es?  

Die Kamille ist eine bis zu 70 cm hohe Pflanze, die heute über ganz Europa, Australien und Nordamerika verbreitetet ist. Unter dem Begriff „Kamille“ tummeln sich jedoch viele Pflanzenarten, von denen die meisten mit der „Echten Kamille“ oder „Deutschen Kamille“ nichts oder nur wenig zu tun haben. Zu den verwendeten Kamillen gehören neben der Echten Kamille (Chamomilla Recutita syn. Matricaria Chamomilla) auch eine Römische Kamille (Chamaemelum nobile) wie auch die Marokkanische Kamille (Anacyclus pyrethrum). Sowohl die Römische als auch die Marokkanische Kamille haben mit der Echten Deutschen Kamille nichts zu tun! Aber selbst bei der Echten Deutschen Kamille gibt es verschiedene Genotypen mit gravierenden Unterschieden. 

Auf unserem Hof bauen wir nur die Echte Kamille (Chamomilla Recutita syn. Matricaria Chamomilla) an. Sie gilt weltweit als die am besten erforschte Heilpflanze und wird in Deutschland und Europa häufig für pharmazeutische Zwecke eingesetzt. Laut vielen klinischen Studienergebnissen besitzt sie antibakterielle, antivirale, entzündungshemmende, krampflösende und schmerzstillende Wirkungen. Darüber hinaus unterstützt sie die Wundheilung.  

Sie produzieren auf Arzneimittel-Niveau, was bedeutet das?

Wir bauen ausschließlich Kamille des Bisabololtyps an. Diesen Kamillentyp zeichnet laut Europäischen Arzneibuch aus, dass er einen möglichst geringen Gehalt an Bisaboloxiden aufweist. Unsere Kamillenöle weisen in der Regel nur Spuren von Bisabololoxiden auf. Bisaboloxide sind grundsätzlich nicht schlecht, aber in keiner Weise mit der Wirkung des (-)-alpha-Bisabolols gleichzusetzen. 

(-)-alpha-Bisabolol

ist mit ein Hauptbestandteil des Kamillenöls. Es wirkt gegen Entzündungen, Rötungen und Reizungen und ist äußerst hautverträglich. Es ist einer der entzündungshemmendsten Stoffe, der in der Natur überhaupt vorkommt.

Zur Bestimmung des Kamillenöl-Bisabololtyps gibt es eine Monographie im Deutschen und dem Europäischen Arzneibuch.  

Jede Charge unseres Kamillenöls muss eine Inhaltsstoff- und Rückstandsanalyse durchlaufen, um als pharmazeutischer Rohstoff und Wirkstoff deklariert werden zu können. 

Wann wird Kamille geerntet?

Die Herbstkamille wird im Frühherbst gesät und Anfang Juni geerntet. Maßgeblich für die Bestimmung des Erntetermins ist nicht unsere Zeitplanung, sondern die Witterungsbedingungen. Die Natur alleine bestimmt den Erntetermin! Nach der ersten Ernte braucht die Pflanze ca. drei Wochen Regenerationsphase, dann kann es zu einer Nachblüte kommen. Wenn alles planmäßig läuft, kann noch ein zweites Mal geerntet werden. Wenn uns das Wetter gnädig ist und auch Regen fällt! 

Die Hauptblütezeit der Kamille fällt in die Zeit der Sommersonnenwende, in diesem Zeitraum ist der Gehalt des ätherischen Öls in den Blüten am höchsten. Bei den alten Germanen hieß die Kamille Baldersbra und war dem Gott des Lichtes Balder geweiht. Es hieß, dass sie in der Nacht der Sommersonnenwende geerntet, magische Kräfte hätte! 

Worauf muss bei der Ernte geachtet werden, damit möglichst hochwertiges Öl entsteht?

Das entscheidende ist, dass wir den optimalen Zeitpunkt erwischen. Er hängt vor allem von der Witterung ab. Dann ernten wir rund um die Uhr sechs Tage in der Woche. Auch ist entscheidend, dass der Zeitraum zwischen Ernte und Verarbeitung möglichst kurz ist. Im Idealfall landet die frisch geerntete Kamille innerhalb von einer Stunde in der Destille, um negative Einflüsse wie Verwelkung und Fermentierung zu minimieren. Um die Transportwege möglichst kurz halten zu können, haben wir unseren Lindenhof inmitten der Kamillenfelder gebaut.

Der Lindenhof von Familie Kistler in Bayern, auf dem das Kamillenöl aus frischen Kamillenblüten hergestellt wird.

Wie funktioniert die Wasserdampfdestillation, durch die das Kamillenöl produziert wird?

Kamille ist eine schwierig zu destillierende Pflanze, da das ätherischen Öl der Kamille nur in sehr geringer Konzentration vorhanden ist und sich auch nur sehr schwer aus den Blüten lösen und destillieren lässt.  Bei der Destillation nimmt dann das große Wassermolekül das kleine ätherische Kamillenmolekül quasi „huckepack“ mit, weil sich das Kamillenöl ja nicht in Wasser löst. Auf diese Weise wird das ätherische Öl über die Dampfbrücke in den Kondensator getragen. Dort trennen sich Wasser und Öl wieder in zwei Phasen und das ätherische Öl schwimmt oben auf. Das Ergebnis: reines, blaues Kamillenöl. Aber das ist natürlich nur die vereinfachte Theorie! Es zu gewinnen – quasi die „Seele“ der Kamillenblüte wie einen Geist in eine Flasche einzufangen – ist eine komplexe Aufgabe.

Die dunkelblaue Farbe enthält das Kamillenöl durch die Umwandlung des Wirkstoffs Matrizin in Chamazulen. Es entsteht erst und nur bei der Wasserdampfdestillation!

Inwiefern spielt die Länge des Destillationsprozesses eine Rolle für die Qualität des Öls?

Die Länge des Destillationsprozess hängt stark vom Pflanzenmaterial ab, dauert aber in der Regel maximal zwölf Stunden. Eine Pflanze gibt ihr Öl nicht immer gerne her. Früh geerntete Blüten lassen sich ihr Öl leichter entlocken als mittags bei praller Sonne geerntete Pflanzen. Denn um die Mittagszeit muss sich die Pflanze vor der Hitze schützen, um keine Feuchtigkeit zu verlieren.  

Darüber hinaus lösen sich nicht alle Einzelkomponenten eines ätherischen Öls gleich gut und gleich schnell aus der Pflanze. Wenn wir Kamillenblüten eine Stunde nach Erreichen des Siedepunktes destillieren, dann weist das Endprodukt eine andere Inhaltsstoffzusammensetzung auf als nach fünf Stunden. Das wertvolle und kostbare Bisabolol löst sich beispielsweise erst als letztes aus den Blüten. Am leichtesten extrahiert sich das Beta-Farnesen, der Hauptbestandteil des Kamillenöls. 

Wie viele Kamillenblüten braucht es für 1 Gramm Kamillenöl?

Es werden zwischen 1000-2000 Gramm frische Kamillenblüten für 1 Gramm Kamillenöl benötigt (Voraussetzung: 0,5 Promille Gewichtsanteil). 

Was macht das Kamillenöl von Ihrem Hof besonders hochwertig?

Der hohe Wirkstoffgehalt, die Reinheit und der Einsatz von hochwertigstem Saatgut. Unser Ziel ist es, dass wir unter optimalsten Bedingungen versuchen, das ätherische Öl aus dem Pflanzenmaterial zu schälen und das so natürlich wie nur möglich.  

Bei unserem Kamillenöl handelt es sich um ein Erstdestillat von frischen und frisch geernteten Blüten, die auf unseren eigenen Feldern im Umkreis von einem Kilometer wachsen. Denn ein Öl, das aus frischen Blüten gewonnen wird, ist in seiner Zusammensetzung ganz anders als Öl aus getrockneten Blüten. Viele Inhaltsstoffe, die in einer ganz geringen Konzentration enthaltenen sind, sind hochflüchtig und verschwinden während des Trocknungsvorganges. Dieser hohe Wirkstoffgehalt macht unser Destillat – laut Ärztebundeskongress – zum edelsten Kamillenöl. Wir dürfen behaupten, dass wir hierin Weltruf erlangt haben.  

Außerdem verwenden wir für unser Kamillenöl ausschließlich unsere eigenen Frischblüten von unseren Feldern. Ein Zukauf zum Strecken und Vermengen aus wirtschaftlichen Gründen wäre für uns nicht denkbar! 

In unserem Entzündungshemmenden Balsam befindet sich etwa 1,5 Gramm des hochwertigen Kamillenöls der Familie Kistler. Auch das Kamillenhydrolat, das als Nebenprodukt bei der Destillation entsteht, nutzen wir in unseren Produkten (z.B. im Probiotischen Konzentrat).

Aus welchen Inhaltsstoffen besteht das Öl der Kamillenblüten?

Das Ätherische Öl unserer Kamillenblüten besteht im Wesentlichen aus den Inhaltsstoffen (-)-alpha-Bisabolol, Chamazulen, En-In-Dicycloether und Farnesen. Der Anteil des kostbaren Bisabolols liegt bei ca. 20 Prozent

Welche Wirkungen entfalten die Inhaltsstoffe der Kamille in Hautpflegeprodukten?

Die Inhaltsstoffe aus dem Kamillenöl können regenerierend, entzündungshemmend, hautberuhigend und hautpflegend wirken.

Unser Interviewexperte

In seinem Familienbetrieb baut Simon Kistler seit Jahrzehnten Kamille an. Sein Lindenhof in Oberbayern steht inmitten eines Blütenmeers. Direkt auf dem Hof destilliert er die frischen Kamillenblüten und gewinnt aus ihnen das kostbare, tiefblaue Kamillenöl.

Unser Interviewexperte

In seinem Familienbetrieb baut Simon Kistler seit Jahrzehnten Kamille an. Sein Lindenhof in Oberbayern steht inmitten eines Blütenmeers. Direkt auf dem Hof destilliert er die frischen Kamillenblüten und gewinnt aus ihnen das kostbare, tiefblaue Kamillenöl.