Wenn ihr selbstgerührte und fertig angemischte Produkte gleichzeitig bestellt versenden wir aus Umweltschutz beides zusammen! Wenn ihr das nicht wollt schreibt eine kurze Mail :-)

Formula Botanica - ein ehrliches Review


 

So sieht das Certificate of Completion von Formula Botanica aus.

Wenn ich an Formula Botanica denke, dann komme ich immer wieder auf ein anderes Ergebnis. Lohnt es sich, lohnt es sich nicht? Und daher hat es nun auch so lange gedauert bis ich meine Meinung dazu niederschreibe, denn ich wusste lange nicht, wie ich es formulieren soll! Aber fangen wir von vorne an:

Formula Botanica ist eine akkreditierte online-basierte Schule für Kosmetikwissenschaften mit Sitz in London. Mit über zehn verschiedenen Diplomas zu jeweils einem Preis von gut 600€ kann man ein Zertifikat erwerben, welches einen dann mit einem jeweiligen Titel auszeichnet. Klassischerweise beginnen die Alumni mit dem DOSF: Diploma of Natural Organic Skincare Formulation, welches man in höchstens zwei Jahren abschließen muss, sonst ist man durchgefallen. Die Durchschnittsdauer beträgt ein dreiviertel Jahr. Man lernt von Zuhause, auf englisch.

Als ich auf Formula Botanica stieß, hatte ich schon mehrere Jahre meine eigene Kosmetik hergestellt. Im November letzten Jahres, ein paar Wochen nach dem Start von @naturkosmetikmuenchen fand ich, es wäre an der Zeit für einen Nachweis meiner kosmetologischen Fähigkeiten. Ich hatte bereits viele Hautpflegeprodukte, dekorative Kosmetik, Haarpflege und Duschpflege nach eigenen Rezepturen hergestellt und mir ein Sammelsurium an Inhaltsstoffen zugelegt (die ich teilweise auch nach Los Angeles mitnahm, denn wie sollte ich drauf vertrauen, während meines Praktikums dort an wirklich gute, pflanzliche Kosmetik heranzukommen?). 

Aber was ist das Einzige was in Deutschland zählt? Richtig: Nachweise! 

80/20: Oben Jojoba zu Shea, und unten Shea zu Jojoba!

Zunächst dachte ich der beste Nachweis wäre ein Heilpraktiker-Schein, denn Heilpraktiker für Naturheilkunde betrachten unter anderem Heilpflanzen von A bis Z und lernen diese auf den menschlichen Organismus anzuwenden. „Unter anderem“ ist hier das Stichwort, denn zum Heilpraktiker-Schein gehört auch ein großer Teil dessen was mehr mit der Therapie von Körperkrankheiten und weniger mit Kosmetik zu tun hat. Und klar - der Heilpraktiker ist auf jeden Fall noch auf meiner Bucket-Liste, bestimmt dann wenn NKM mehr auf eigenen Beinen steht. Um aber meine Energie erst einmal voll in NKM stecken zu können verschiebe ich den Plan nach hinten.

Und dann stieß ich auf Formula Botanica. Das Prinzip ist so, dass man Module durcharbeitet, die man mit Zwischentests und benoteten Aufgaben freischalten kann. Zwischendrin gibt es Erklärvideos, Arbeitsbögen und Recherche-Aufgaben, die über das Formula Botanica-Reservoir an Informationen hinausgehen, damit man lernt wie man sich außerhalb der bereitgestellten Informationen selbst weiterbilden kann. Außerdem wird man Teil einer Facebook-Gruppe, in der Inhaltsstoffe, Formulierungen, neueste Erkenntnisse diskutiert und Fragen gestellt werden können.

Alles in allem ein tolles Prinzip - für Anfänger. Das DOSF (Diploma in Natural Organic Skincare Formulation) ist wirklich für Neueinsteiger gedacht, die von Null beginnen. Ich habe alle Aufgaben, Quiz und Tests in 2 Wochen durchgearbeitet, denn mit Vorerfahrung sind sie auf jeden Fall machbar. Für die Abschlussprüfung, eine Rezeptentwicklung einer O/W-Formulierung mit Begründung der Inhaltsstoffe, Herstellung, Allergene der ätherischen Öle etc., habe ich mir die „Heimat“-Formulierung ausgedacht und mir dafür weitere drei Wochen genommen. Auch hier war das Feedback: deutlich komplexer als das, was normalerweise eingereicht wird. 

Eine Formulierung für Deo von mir.

Und ja, vielleicht hätte ich gleich den Advanced-Kurs belegen sollen, der weiterführende Kurs des „Diploma in Natural Organic Skincare Formulation“. Aber inzwischen sehe ich das Konzept einer Onlineschule zugeschnitten für Leute, die ein Hautpflege Unternehmen gründen wollen, ein wenig kritisch, weil:

Jemandem, der nur DOSF und Formula Botanica macht, nur die Kurse durcharbeitet und nicht ausprobiert, Erfahrungen sammelt, Fehler gemacht hat, sich über einen längeren Zeitraum in den wissenschaftlichen Journals aufhält, dem würde ich nicht vertrauen fundiertes Hautpflegewissen gesammelt zu haben. Rückblickend sehe ich auch in meiner Karriere Dinge, die ich anfangs anders gemacht hätte, kleine Tricks in der Herstellung die die Qualität meiner Inhaltsstoffe auch trotz Verarbeitung und Lagerung gewährleisten. Man wächst mit seinen Aufgaben, lernt so viel durch Praxiserfahrung und hat am Anfang einfach noch ein ganzes Niveau.

Und doch sind die Kurse eine solide Basis. Man lernt den Aufbau der Haut, die Grundlagen einer Creme, eines Gels, eines Mizellenwassers, eines Reinigers, alles in wirklich guten und strukturierten Erklärvideos. Man weiß dann wo man suchen kann, wie man generell mit ätherischen Ölen umgeht und es ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, wenn man sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte. Nur eben die Schüler dazu anregen, ein Unternehmen zu gründen auf der Basis dessen, was man in zwei Monaten gelernt hat, das reicht meiner Meinung nach nicht ganz. 

Wenn ich mir vorstelle noch einmal ganz am Anfang zu stehen, jemand zu sein der sich für Hautpflege auf pflanzlicher Basis interessiert und nicht genau weiß wo man weitermachen soll, dem empfehle ich folgendes:

Wie man Google Scolar zur Recherche von Inhaltsstoffen benutzt

1. Google Scholar
Für mich zumindest war mein eigentliches Studium nicht das richtige. Ich habe jedoch gelernt mich selbstständig in wissenschaftlichen Foren zu bewegen, und diese Techniken rate ich jedem: Behandelt das Thema wie ein Modul im Studium. Setzt euch Aufgaben, recherchiert gründlich und lest aktuelle Studien und wissenschaftliche Journals. 
Auf scholar.google.com kann man sich beispielsweise im „Journal of cosmetic dermatology" austoben und lernt schnell fachliche Akzente und Vokabular. 

2. Kurse, Workshops, Seminare
Unzählige fachkundige Menschen bieten Workshops und Kurse zu dem Thema an. So gut wie in jeder Stadt gibt es Kräuterwanderungen, Heilpflanzen-Kurse oder Naturkosmetik-Tage. Inzwischen ist es auch nicht mehr schwer dazu eine Freundin zu begeistern, solche Kurse sind eine schöne Beschäftigung für einen gemeinsam verbrachten Tag!

3. Praktisches Rühren
Schnappe dir die Reste deiner NKM-Sets und probiere dich aus: rühre entweder eines der Rezepte vom Rezeptbuch nach, oder kombiniere Inhaltsstoffe nach deinen Interessen und notiere dir was passiert. Sei dabei nicht scheu, denn es gehört zu einem guten Kosmetikwissenschaftler dazu zu wissen was passiert wenn man nur zwei, drei Inhaltsstoffe miteinander vermengt. Erhitze Emulgatoren unterschiedlich, variiere die Phasen der Rohstoffe und schaue was passiert. Vergiss dabei nicht ein Formulierungshandbuch zu führen um deine Erkenntnisse aufzuzeichnen!

4. Lese meinen Anfängerguide
... und alles andere was ich auf dem Blog, auf der Webseite, auf Instagram und Facebook erzähle, denn ich versuche euch damit Zeit zu sparen! Vieles was ich mühsam ausprobieren musste möchte ich euch bereits durchdacht vermitteln. Die Inhalte sind kostenfrei für euch verfügbar, also stürzt euch rein!

5. Setze dich in Vorlesungen
In den meisten Universitäten kann man als eingeschriebener Student auch anderen offenen Vorlesungen beiwohnen. Die Biologie, Humanmedizin, oder wenn es an eurer Hochschule angeboten wird, Kosmetikwissenschaften sind dazu geeignet. Sucht dazu im Lehrstuhl nach einem Modul was euch gefällt und schaut wann es angeboten wird!

6. Fragt „Warum?" bis zum Schluss
Antworten und Anweisungen kritisch hinterfragen bietet verlässliche Indikatoren auf die Seriosität der Quelle. Warum soll man ein Gemisch aus Olivenöl, Joghurt und Ei in die Haare geben? Warum ist Niacinamid eines der besterforschtesten Inhaltsstoffe der Kosmetologie? Warum werden ätherische Öle gerade kritisch diskutiert? Warum wirkt Rosenhydrolat adstringierend? Recherchiert so lange bis ihr die Frage, und alle möglichen Rückfragen, verlässlich beantworten könnt.

7. Beschränkt euch nicht auf euer ganz spezielles, eigenes Hautproblem. Fragt eure Freunde ob ihr ihnen etwas gutes tun könnt oder ob sie eure neue Formulierung ausprobieren wollen (fragt dabei bitte nur die Freunde mit unempfindlicher Haut). Sucht euch Inhaltsstoffe für reife Haut, oder lest nach Antworten auf das Leiden von jemand anderem. So entwickelt man umfassend und unkompliziert ein Verständnis für Hauteigenschaften die den eigenen nicht ähneln müssen.

Und zu guter letzt: lasst euch Zeit. Man muss Hautpflege nicht morgen zu seinem Beruf machen. Lernt in eurem Tempo und setzt euch so viel wie möglich mit dem Thema auseinander. Ich hoffe trotzdem bald eure ersten Formulierungen zu sehen! Markiert @naturkosmetikmuenchen oder nutzt den Hashtag #nkm damit ich sehen kann was ihr so treibt. Ich wünsche viel Erfolg! 

Das Zertifikat von Formula Botanica für DOSF.

Das könnte dich auch interessieren...